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Meine Zeit in Afrika ... (Teil I)

Written by Isabella on Dienstag, 29 Oktober 2013. Posted in Zeugnisse

Ich möchte euch heute einladen mit mir ein paar Jahre zurück zu blicken, in eine Zeit in meinem Leben, welche etwas anders war als der gewöhnliche Alltag. Sie hatte nichts mit Schule oder Studium oder auch Oase zu tun. Nein, für dieses eine Jahr hatte Gott etwas ganz anderes für mich vorbereitet. 

Aber vorweg möchte ich euch noch erzählen, wie es überhaupt dazu kam.
Ich war gerade in meinem 2. Ausbildungsjahr zur Heilerziehungspflegerin, als bei uns im Kurs einer nach dem anderen die Idee hatte nach der Ausbildung, anstatt gleich ins Berufsleben einzusteigen, erst einmal ins Ausland zu gehen. Dies ging auch an mir und meiner Reiselust nicht spurlos vorbei.
Schon immer reizte und interessierte mich der Kontrast zwischen uns, dem so zivilisiertem Westen, und den anderen ärmeren Ländern und Kontinenten auf der Welt. Der größte Kontrast war damals für mich wir, also der Westen, und das so wilde und so andere Afrika.
Also informierte ich mich und fand im Internet die Organisation Missionar auf Zeit kurz MAZ genannt.  Ich verabredete mich mit der verantwortlichen Schwester und hatte auch prompt eine Zusage. Ich würde nach Südafrika gehen, ein  Jahr später sollte es also losgehen.
Es folgte ein Jahr der Vorbereitung,  wobei ich im Nachhinein sagen muss, darauf was mich dort erwartete, konnte mich kein Kurs der Welt wirklich vorbereiten.

Ein Jahr weg von Zuhause, weg von Familie, von Freunden…. Das war nicht ohne. Und was sollte man überhaupt für ein ganzes Jahr mitnehmen, was würde ich brauchen, was nicht? Das alles waren Fragen, welche mir keine Ruhe mehr ließen.

Mein Abenteuer begann Mitte September 2007. 
Wir flogen aus dem Spätsommerwarmen Deutschland in das noch immer recht frische Südafrika, in die wunderschöne Stadt Kapstadt. Wer je behauptet hat, in Afrika wäre es immer zu heiß, den muss ich hier leider enttäuschen. Es war ein wahrer Kälteschock. Wir zogen alle möglichen warmen Klamotten an. Allzu viele hatten wir nicht dabei, denn auch wir gingen von dem warmen Afrika aus  und froren dennoch. Wir waren vom Sommer aus in das Ende des südafrikanischen Winters geraten.

Was die Kälte jedoch sofort wieder gut machte, war der Empfang und die Herzenswärme der Menschen. Gleich am ersten Tag wurden wir durch das ganze Haus geführt. Es war ein Heim für chronisch kranke Kinder und Jugendliche und sollte unser neues Zuhause und auch Arbeitsplatz werden.  Mein Interesse weckten gleich am ersten Tag die Kleinsten, die vielen Babys und Kleinkinder welche alle an HIV und Aids erkrankt waren und das sollte auch mein zukünftiger Arbeitsbereich werden. Das Haus war in mehrere Gruppen sogenannte „wards“ eingeteilt:
Sunflower - Kinder und Säuglinge mit HIV und AIDS,
Daisy - Mädchen mit unterschiedlichen Erkrankungen,
Sweet Basil - Kleine Jungs mit unterschiedlichen Erkrankungen,
Protea - Jugendliche Jungs,
und am Ende noch Freesia - Jugendliche Mädchen. 
Mein neues Zuhause war also der Sunflower- ward. 

 

Mein tolles Team , hier habe ich wahre Freunde gefunden, mit einigen besteht der Kontakt bis heute...

Aller Anfang ist schwer und so tat ich mir die ersten Tage mit all den Namen der Mitarbeiter und auch Kinder schwer, ich war froh, wenn ich sie aussprechen konnte, aber von MERKEN konnte nicht die Rede sein   Da waren Namen wie : Akona, Anati, Aviwe, Nzika, Batandwa, Ntando, Keano ….. Keano konnte ich mir merken von dem Schauspieler Keano Reevs, aber mehr auch nicht
Doch die Krankenschwester war sehr geduldig mit mir, am Ende meines ersten Tages nahm sie mich an der Hand , blickte mir tief in die Augen und sagte:  „ Heute war ein harter Tag für dich, gib nicht auf, der morgige wird besser und der nächste wird noch viel besser!“
Ich muss wohl sehr verzweifelt ausgesehen haben.

Meine besten Lehrer waren die Kinder, sie kannten keine Hemmungen mir alles mehrmals zu wiederholen bis ich es verstand. Mein Englisch wurde trotz vorherigen Grundkenntnissen hier nochmal komplett auf den Prüfstand gestellt. Ich bevorzugte es anfangs eher zuzuhören als meinen Mund aufzumachen. Da konnte ich wenigstens nicht viel falsch machen.

Das Lachen und die Lebensfreude waren ansteckend!

Die Zeit verging und wir gewannen immer mehr an Einsicht, an Überblick und auch ich fand schließlich den Mut, mich mit den Leuten zu verständigen. Da die Kinder von Haus aus nicht Englisch, sondern Xhosa oder Afrikaans sprachen, war ich dazu gezwungen, die Basics beider Sprachen zu lernen.  Was mich anfangs sehr irritierte war jene Redewendung:  Das Wort „ Isapa“ bedeutet auf Xhosa „ komm her“ , wird aber oft mit „ Isa“, also meinem Kosenamen, abgekürzt. Da dies gefühlt alle 5 Sekunden zu eines der Kinder gesagt wurde, fühlte ich mich auch jedesmal direkt angesprochen.  Tja, andere Länder, andere Sitten!

Dieser Kleine hat mein Herz im Strurm erobert - Aviwe

Als ich euch gesagt habe das kein Kurs der Welt uns auf das, was uns erwarten würde , vorbereiten könnte, habe ich das Thema HIV und AIDS mit eingeschlossen. Ich habe mich meiner Meinung nach sehr umfangreich mit der Krankheit befasst, doch die Praxis unterschied sich dennoch stark von der Theorie. Ich hatte hier nun fast 25 Kinder und Babys vor mir, welche ALLE ohne Ausnahme von dieser Krankheit betroffen waren, einige waren bereits sichtbar davon gekennzeichnet. Diese Erkenntnis war ein wahrer Schock, vor allem als mir klar wurde, dass wenn die Kinder krank waren, die Eltern das Virus ebenfalls in sich trugen und dass die Eltern ihre Kinder mit großer Wahrscheinlichkeit nicht aufwachsen sehen werden.
Wie muss man sich die Kinder also vorstellen? Bettlägrig? Nur mit Mundschutz und Handschuhen anfassen wegen Ansteckungsgefahr??
Ganz und gar nicht. Im Grunde kann man sagen, waren es meist sehr lebhafte und neugierige Kinder, laut und frech und sehr sehr lieb. Der einzige Unterschied war die Tatsache, dass sie viele Medikamente schlucken mussten, regelmäßig eine laufende Nase hatten(ist eine Art Begleiterscheinung, eine Art chronischer Husten ist ebenfalls typisch bei AIDS) und in regelmäßigen Abständen zu Check ups ins Krankenhaus gebracht wurden.

Unterwegs ins Krankenhaus zum monatlichen Check up.

 

Was war also meine Aufgabe dort? 

Mein Arbeitstag begann um 7 Uhr morgens, meine erste Aufgabe war das Vorbereiten der Milchflaschen, da für jedes Baby bzw. Kleinkind 6 Flaschen gebraucht wurden, waren es insgesamt meist an die 70 Flaschen Milch, welche da vorbereitet werden mussten. Die Milch wurde je nach körperlicher Verfassung des Kindes dosiert, sie diente als Vitamin- und Mineralienspender. Natürlich hatte jede Milch ihren besonderen Geschmack, da gab es welche mit Erdbeergeschmack, Schokolade, Vanille usw. Das Wichtigste war, das es schmeckt.
Wenn ich gerade mal nicht damit beschäftigt war,  war das Füttern der Babys bzw. die Essensausgabe für die älteren Kinder angesagt. Zum Frühstück gab es immer dasselbe, das sogenannte „ Milipap“: Reisbrei, welcher hier mit Grießbrei vergleichbar ist, nur eine festere Konsistenz hat.
Nach dem Essen wurden die Schulkinder zum Zähneputzen begleitet, (stellt euch mal 15 zappelnde Kinder in einem Bad beim Zähneputzen vor= Stress), Haare gekämmt – das war oft mit Tränen verbunden, denn solche Haare zu kämmen ist oft schmerzhaft, vor allem bei den Jungs.
Nachdem die Schulkinder den Weg zur Schule angetreten hatten, waren die Kindergartenkinder an der Reihe, gleiche Prozedur, gleicher Kampf wie auch schon zuvor.

Um ca. 8 Uhr wurden die Kinder von der Kindergärtnerin abgeholt. Dies sah oft so aus, dass alle Kinder zusammen in einen Rollwagen gestellt wurden ( ein etwas größerer Bollerwagen) und dann von der Kindergärtnerin in Richtung Kindergarten geschoben wurden. 

 

Ein wichtiger Tagespunkt für die Kinder-der Nachmittagssnack-lecker!

Für mich war jetzt erst einmal spülen, Wäsche zusammenlegen und aufräumen angesagt.
Anschließend hatte ich Zeit für die Kleinsten, die Babys. Ich spielte mit ihnen, nahm sie auf den Arm oder ging ein wenig mit ihnen an die frische Luft.
Die Zeit bis mittags war schnell vergangen, da kamen auch schon die Kinder zum Essen zurück.
Essensausgabe und das Füttern der Kleinkinder und Babys war angesagt.
Anschließend wurden die Kinder allesamt zum Mittagsschlaf ins Bett gelegt.
Das war für mich die Zeit meiner wohlverdienten Pause.
Wir holten uns also unser Essen aus der Küche und genossen das doch etwas andere, aber auch sehr leckere Essen.
Nachmittags war nun endlich Zeit, um mit den Kindern zu spielen. Hier war unserer Fantasie keine Grenze gesetzt. Wir spielten Ball, tobten im Garten umher, ich brachte ihnen einige deutsche Kinderspiele bei, sie nahmen es mit Neugier, aber nicht immer mit Verständnis, auf und bauten es, nicht selten, einfach um, wie sie es eben gerade haben wollten.
Das Highlight aber war wenn wir den geschützten Bereich des Gartens verließen, um alle zusammen zum Spielplatz zu gehen. Karussell, Schaukel, Rutsche… nicht brauchte man mehr.

Neugierig geworden? Dann dürft ihr euch schon auf einen weiteren Beitrag über meine Zeit in Südafrika freuen, darin werde ich euch einige meiner Kinder etwas genauer vorstellen....

 

Bis bald,

eure Isabella

About the Author

Isabella

Isabella

Isabella ist ein Mensch, der beim Reisen, dem Erkunden neuer Kulturen und dem Kennenlernen neuer Menschen vollkommen aufgeht. Ihre größte Reise war die Reise nach Afrika, die ihr Leben sehr stark geprägt hat. In der Bewegung Licht-Leben ist sie bereits seit 17 Jahren und engagiert sich seit nun schon 13 Jahren auch als Animatorin in der Jugendarbeit. 

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